Peter Rösel

Vita

Geboren  in Rockenhausen
Aufgewachsen in Marokko und im Irak
Kunststudium an der Städelschule Frankfurt am Main,
bei Prof. Thomas Bayrle und Prof. Raimer Jochims
Meisterschüler bei Prof. Thomas Bayrle
Berufung an die Kunsthochschule Berlin Weissensee

Sammlungen

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main
Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik
Sprengel Museum, Hannover
Altonaer Museum in Hamburg, Norddeutsches Landesmuseum
Museum Pfalzgalerie, Kaiserslautern
Städtische Galerie Nordhorn
FRAC Alsace
FRAC Lorain
Musée de Dole

Ausstellungen

Agence culturelle d’Alsace, Sélestat [G]
Andreas Schlüter Galerie, Hamburg
Arte Contemporanea, Mailand  [G]
Bundeskunsthalle, Bonn [G]
Chung King Project, Los Angeles
Contemporary Art Museum, Kumamoto, Japan [G]
CRTD Dresden, Kunst am Bau
Ernst Barlach Haus, Hamburg
Espace d’art contemporain, Genf
Fondation Fernet Branca, St. Louis [G]
Gagosian Gallery,  Biennale 4, Berlin [G]
Galerie Art Attitude Hervé Bize, Nancy
Galerie Dörrie Priess, Hamburg
Galerie Hervé Bize, Nancy [G]
Galerie Holger Priess, Hamburg
Galerie Holger Priess, Hamburg [G]
Galerie Karin Sachs, München
Galerie Martina Detterer, Frankfurt/M.
Galerie Yves Iffrig, Straßburg [G]
Goethe Institut Nancy
Haus der Kunst, München [G]
Kochi-Muziris Biennale [G]
Kunst Kultur Kirche Allerheiligen, Frankfurt/M.
Kunsthalle Bern [G]
Kunsthalle Emden [G]
Kunsthaus Bregenz [G]
Kunststation Sankt Peter, Köln
Kunstverein Kreis Ludwigsburg
Liebäugeln IV, Frankfurt/M.
Loock Galerie, Berlin
Mannheimer Kunstverein
Mireille Mosler Ltd., New York [G]
MMK Museum Für Moderne Kunst Frankfurt am Main  [G]
Mori Art Museum, Tokio [G]
Musée de design et d’arts appliqués contemporains, Lausanne [G]
Museum der Westküste, Alkersum/Föhr [G]
Museum Morsbroich, Leverkusen [G]
Museum of Art, Tel Aviv [G]
Museum of Screen Culture, Moskau [G]
Museum und Galerie im Prediger, Schwäbisch Gmünd
Neuer Kunstverein, Gießen
Salon du dessin contemporains, Paris [G]
South African National Gallery, Kapstadt [G]
Sprengel Museum, Hannover
St Paul St. Gallery, Auckland [G]
TZ’ Art & Co., New York
Villa Kamogawa, Kyoto
Wohnmaschine, Berlin
Wonderloch Kellerland, Berlin [G]

Preise und Stipendien

Preisträger des Bundeswettbewerbs „Kunststudenten stellen aus“
Preisträger beim Deutschen Kunstpreis der Volksbanken und Raifeisenbanken für Malerei
einjähriges Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung in New York
Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis für Skulptur
NUR Stipendium
Hans-Purrmann-Preis der Stadt Speyer
Pfalzpreis für Malerei
Kulturförderpreises der Alexander Clavel Stiftung in Riehen

Zimmerpflanzen nehmen wir, wenn überhaupt, nur beiläufig wahr. Flüchtig betrachtet wird man die Arbeiten von Peter Rösel für eben jene wenig interessanten Grünpflanzen halten, die überall herumstehen und deshalb kaum der Beachtung wert sind. Früher oder später allerdings gerät diese Gleichsetzung aus dem Lot. Vielleicht ist es zunächst ein Knopf oder ein Reißverschluß der nicht zum gespeicherten Bild einer gewöhnlichen Zimmerpflanze passen will und deshalb den über die Oberfläche gleitenden Blick abbremst und verwirbelt. Ist es erst einmal soweit gekommen, löst sich die Wahrnehmung rasch von der Kopplung an die gängigen Bildmuster aus den Gedächtnisspeicher und legt einen genaueren Blick auf die Objekte nahe. Mit diesem wandelt sich von einem auf den anderen Augenblick, so als habe jemand unbemerkt die Vorzeichen vertauscht, die zuletzt banal anmutende Dekoration in etwas Besonderes. Denn plötzlich erkennen wir: Peter Rösel baut Pflanzen aus bundesdeutschen Polizei uniformen. Außerdem verwendet er Futterstoffe und Unterwäsche und bei Topfpflanzen meist einen Kunst stoff be hälter, der aussieht, als sei er in einer italienischer Manufaktur aus Tonerde gebrannt worden. Schaut man noch etwa genauer hin, dann sind die aus grünen Jacken und beigen Hosen genähten Gewächse voller subtiler Anspielungen. Wenn sich beispielsweise aus einem Reißverschluß am oberen Ende des aus dem Stoff einer Polizeihose gefertigt Stammes eines Palmengewächses ein vitaler Trieb durchschlägt und saftige grüne Blätter wuchern läßt, so zeugt diese von einem vielen Arrangements zugrunde liegenden Bildwitz. Rösel spielt geradezu auf virtuose Weise mit dem Spannungsgefälle zwischen vertrauten und fremden Anteilen an einer Sache. In diesem Sinne nähern sich die Pflanzen gleichzeitig an etwas Bekanntes an und stoßen sich doch auch wieder energisch davon ab. Wegen ihrer eigen tümlichen Farbgebung sind deutsche Polizeiuniformen einerseits zwar bestens dazu geeignet, Pflanzen nachzudichten, taugen aber andererseits wenig dazu, eine erotische und sinnliche Aufladung eines Kunstwerkes zu befördern. Die dunkelgrünen, strapazierfähigen Blätter symbolisieren, wie die Uniformen, aus denen sie gefertigt wurden, Schutz, Stärke und Solidität, während erst die aus einem violetten, spitzenbesetzten, seidig glitzernden Damenslips genähte Blüte der gleichen Pflanze die Sehnsucht nach einer zärtlichen erotischen Berührung symbolisiert. Gerade in der Kombination von Gegensätzen, gerade im visuellen wie gedanklichen Sprung von einem Assoziationsfeld auf das andere gelingt Rösel häufig eine überzeugende Bild dramaturgie für die Zuspitzung des ambivalenten Potentials scheinbar vertrauter Alltagserscheinugen. Es geht hier also keineswegs in erster Linie darum, eine Sache möglichst raffiniert in ein andere umzuwandeln. Triebfeder für die Metamorphose ist vielmehr die Lust, ein anhaltendes Spannungsgefüge aus verschiedenen Gegensätzen und Antipoden zu konstruieren. Dabei kommt es zu Realitätsverschiebungen, Überschneidungen von Wahrnehmungs feldern, Uneindeutigkeiten und Widersprüche. All dies ist gewollt und ziehen sich als Thema durch fast alle Arbeiten von Peter Rösel.

Andreas Bee