Philipp Hennevogl schneidet seine Motive in Linoleum, färbt sie meist mit klassischem Schwarz ein um sie anschließend in kleinen Auflagen auf teils handgeschöpfte Papiere zu drucken. Viele dieser so entstandenen Werke finden sich heute in den Sammlungen bedeutender Museen wie z.B. dem Städel in Frankfurt am Main. Nur ganz selten spielten in seinen Werken Farben eine Rolle zur Akzentuierung des überwiegend schwarzen Druckbilds. Erstmals hat er nun ein Detail einer großen Arbeit noch einmal aufgelegt und dafür ein flächiges Karmesinrot gewählt. Das Motiv zeigt abgebranntes Feuerwerk, wie es am Morgen von Neujahr an vielen Straßenecken zu finden ist.

In der Sylvesternacht steigen mit den Raketen Hoffnungen, Wünsche und gute Vorsätze in den nächtlichen Himmel auf und erleuchten diesen durch prächtige farbige Explosionen. Der Jahreswechsel veranlasst uns Menschen dazu, sämtliche Zähler wieder auf Null zu stellen und vermeintlich von Vorne zu beginnen. Aus Sicht des physikalischen Messwesens stellt ein „Jahr“ nicht einmal eine eindeutige Maßeinheit dar. Der Umlauf der Erde um die Sonne dauert bekanntlich 365 Tage und sechs Stunden. Unser „Jahr“ jedoch rundet großzügig ab und gleicht diesen Fehler erst nach vier Jahre durch den 29. Februar aus. So betrachtet beginnt jedes Jahr unmittelbar mit einer groben Nachlässigkeit.

In der Explosion des Feuerwerks verbrennt das Schwarzpulver aus den Raketen zu Asche, die dann – von den feiernden Menschen unbemerkt – lautlos wieder auf die Erde sinkt. So ergeht es auch den meisten guten Vorsätzen, die nicht von der Schwerkraft, aber von mangelnder Disziplin, alltäglichen Routinen und schlechten Gewohnheiten wieder auf den Boden zurückgeholt werden. Das weiß natürlich jeder, der schon einige Sylvester erlebt hat, denn „verstehen kann man das Leben rückwärts“, wie der dänische Philosoph Søren Kierkegaard erkannt hatte. Er wusste aber auch, „leben kann man es nur vorwärts.“ Und so wollen auch zum nächsten anstehenden Jahreswechsel neue kühne Vorsätze formuliert, Träume entfacht und grundlegende Veränderungen beschlossen werden. Und vielleicht werden wir mit diesen Vorsätzen im nächsten Jahr besser scheitern. Wie man die Idee des Scheiterns für sich fruchtbar machen kann, dafür steht dieses Werk von Philipp Hennevogl.

 

 

Philipp Hennevogl
wurde 2017 mit dem
Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis
ausgezeichnet.

Philipp Hennevogl bei der Arbeit an dem Druck Gerüst.
(Fotografien: © Patricia Sevilla Ciordia)