Die Kronensteine Peter Sauerers

Andreas Bee

Peter Sauerer hat zwölf Flusssteine mit Kronen verschiedener Königshäuser und Herrscher bemalt. Sie symbolisieren mit ihrer prachtvollen Ausgestaltung die weltliche Macht und die mythischen Vorstellungen ihrer Träger und Stifter. Doch nur zu oft waren die mit den glänzenden Kronen zur Schau gestellte Macht und Herrlichkeit Fluch und Segen zugleich. In beinahe jeder weltlichen Krone wetteifern Kräfte aus folgenschwerer Selbsterhebung und tragischer Selbstzerstörung, aus tatsächlicher und fiktiver Macht, aus verzweifelter Zuversicht und einer oftmals bis ins Pathologische gesteigerten Angst vor dem drohenden Kontrollverlust.
Einzig die Dornenkrone erhöht ihren Träger nicht, sondern sucht ihn von vornherein herabzusetzen und zu verspotten. Paradoxerweise ist die schmerzliche Herabsetzung jedoch auch eine Erhöhung. Ja, vielleicht liegt letztlich gerade in der Bedeutungsumkehrung jene Zuversicht, jene Hoffnung, die Erlösung glaubhaft macht und deshalb königlich genannt werden muss.
Ein Stein der Reihe, die auch an die von Kindern bunt bemalten Steinschlagen auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise erinnert, zeigt keine Krone, sondern ein Herz-Jesu-Bild mit Seitenwunde und Feuerkranz. Dieses Bild wirkt wie die Antithese zur Einsicht in die irdische Endlichkeit und Ohnmacht unserer Existenz. Das Herz-Jesu-Bild steht nicht nur für das dynamische Prinzip des Lebens, es verweist auch auf das untrügliche Zentrum eines jeden Einzelnen. So verstanden ist das glorifizierte Herz-Jesu-Bild Hoffnungszeichen und Gegenpol zu den gekrönten Häuptern.