Peter Rösel

von Andreas Bee

Zimmerpflanzen nehmen wir, wenn ĂŒberhaupt, nur beilĂ€ufig wahr. FlĂŒchtig betrachtet wird man die Arbeiten von Peter Rösel fĂŒr eben jene wenig interessanten GrĂŒnpflanzen halten, die ĂŒberall herumstehen und deshalb kaum der Beachtung wert sind. FrĂŒher oder spĂ€ter allerdings gerĂ€t diese Gleichsetzung aus dem Lot. Vielleicht ist es zunĂ€chst ein Knopf oder ein Reiß verschluß der nicht zum gespeicherten Bild einer gewöhnlichen Zimmerpflanze passen will und deshalb den ĂŒber die OberflĂ€che gleitenden Blick abbremst und verwirbelt. Ist es erst einmal soweit gekommen, löst sich die Wahrnehmung rasch von der Kopplung an die gĂ€ngigen Bildmuster aus den GedĂ€chtnisspeicher und legt einen genaueren Blick auf die Objekte nahe. Mit diesem wandelt sich von einem auf den anderen Augenblick, so als habe jemand unbemerkt die Vorzeichen vertauscht, die zuletzt banal anmutende Dekoration in etwas Besonderes. Denn plötzlich erkennen wir: Peter Rösel baut Pflanzen aus bundesdeutschen Polizei uniformen. Außerdem verwendet er Futterstoffe und UnterwĂ€sche und bei Topfpflanzen meist einen Kunst stoff be hĂ€lter, der aussieht, als sei er in einer italienischer Manufaktur aus Tonerde gebrannt worden. Schaut man noch etwa genauer hin, dann sind die aus grĂŒnen Jacken und beigen Hosen genĂ€hten GewĂ€chse voller subtiler Anspielungen. Wenn sich beispielsweise aus einem Reißverschluß am oberen Ende des aus dem Stoff einer Polizeihose gefertigt Stammes eines PalmengewĂ€chses ein vitaler Trieb durchschlĂ€gt und saftige grĂŒne BlĂ€tter wuchern lĂ€ĂŸt, so zeugt diese von einem vielen Arrangements zugrunde liegenden Bildwitz. Rösel spielt geradezu auf virtuose Weise mit dem SpannungsgefĂ€lle zwischen vertrauten und fremden Anteilen an einer Sache. In diesem Sinne nĂ€hern sich die Pflanzen gleichzeitig an etwas Bekanntes an und stoßen sich doch auch wieder energisch davon ab. Wegen ihrer eigen tĂŒmlichen Farbgebung sind deutsche Polizeiuniformen einerseits zwar bestens dazu geeignet, Pflanzen nachzudichten, taugen aber andererseits wenig dazu, eine erotische und sinnliche Aufladung eines Kunstwerkes zu befördern. Die dunkelgrĂŒnen, strapazierfĂ€higen BlĂ€tter symbolisieren, wie die Uniformen, aus denen sie gefertigt wurden, Schutz, StĂ€rke und SoliditĂ€t, wĂ€hrend erst die aus einem violetten, spitzenbesetzten, seidig glitzernden Damenslips genĂ€hte BlĂŒte der gleichen Pflanze die Sehnsucht nach einer zĂ€rtlichen erotischen BerĂŒhrung symbolisiert. Gerade in der Kombination von GegensĂ€tzen, gerade im visuellen wie gedanklichen Sprung von einem Assoziationsfeld auf das andere gelingt Rösel hĂ€ufig eine ĂŒberzeugende Bild dramaturgie fĂŒr die Zuspitzung des ambivalenten Potentials scheinbar vertrauter Alltagserscheinugen. Es geht hier also keineswegs in erster Linie darum, eine Sache möglichst raffiniert in ein andere umzuwandeln. Triebfeder fĂŒr die Metamorphose ist vielmehr die Lust, ein anhaltendes SpannungsgefĂŒge aus verschiedenen GegensĂ€tzen und Antipoden zu konstruieren. Dabei kommt es zu RealitĂ€ts verschiebungen, Überschneidungen von Wahrnehmungs feldern, Uneindeutigkeiten und WidersprĂŒche. All dies ist gewollt und ziehen sich als Thema durch fast alle Arbeiten von Peter Rösel.



























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Peter Rösel
Feigenblatt, 1998
GenÀht aus deutschen Polizeiuniformen
ca. 20 × 15 × 1,5 cm

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